Anlagedauer & der Trick mit dem Zinseszins

"Soll ich jetzt mein Geld anlegen? 🤔" Blogreihe

In der Blogreihe “Soll ich jetzt mein Geld anlegen?” sehen wir uns Begriffe und Konzepte aus der Finanzwelt an, die bei frischgebackenen Anlegern oftmals Rätsel aufwerfen.

⏳ Dauer: Anlagedauer & der Trick mit dem Zinseszins

🎂 Zeitpunkt: Wann ist der richtige Zeitpunkt um Geld anzulegen?

👀 Stolpersteine: Zweifel, finanzielle Albträume und diese omnipräsenten Sparkonten


Teil 1: Dauer


 

Finde heraus, wieso durch den Zinseszinseffekt sogar der Geburtstag deines Hundes zum perfekten Tag, um mit dem Geld anlegen zu starten, wird. Vor allem, falls dieser wichtige Tag genau auf heute fällt.

 
 

Die Aktienmärkte. Das lässt sofort Assoziationen mit Bildern von Männern in Anzug und Krawatte aufkommen. In meiner Vorstellung springen diese nervös Auf und Ab und schreien dabei “VERKAUFEN!” und “KAUFEN!” in Richtung eines grossen Bildschirms oder ins Telefon.

Mir geht dabei ja vor allem Cameron Diaz in “What happens in Las Vegas” nicht mehr aus dem Kopf (eventuell nicht der Hauptinhalt des Films, aber offenbar einprägsam!).

Um diese Art der Investments - der Anlagen - geht es heute aber nicht: Wir sehen uns die Aktienmärkte aus einer Langzeitperspektive an, denn wie man (also all die Experten im Internet) so schön sagt: “Stock markets favour those who invest for the long run”

Aber was heisst “the long run”? Was heisst langfristig? Welchen Einfluss haben ein früher Start und der Zinseszins?

Genau das sehen wir uns heute an!

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Der Trick mit dem Zinseszins

 

Es gibt dieses finanzielle Konzept, das sich unglaublich langweilig anhört, aber das man auch gut und gerne einen Zaubertrick, der sich direkt unter unserer Nase versteckt, nennen kann: Der Zinseszinseffekt.

Die Zinseszinseffekt hat den grössten Einfluss auf dein Erspartes, wenn du so früh und für so lange wie möglich anfängst dein Geld anzulegen. Dabei reden wir von mehreren Jahren - eventuell zehn, vielleicht fünfzehn oder sogar mehr.

Der Trick bezieht sich eigentlich nur auf den Effekt, den Zinsen auf Zinsen (daher wohl der Name 😅) haben. Hältst du also dein Geld lang genug auf deinem Anlagekonto (mit einer gut diversifizierten Strategie und ein wenig Aufmerksamkeit dann und wann), wirst du langsam sehen wie deine Gewinne mehr Zinsen zu generieren. Und dafür musst du sonst nichts tun!

 

Wie funktioniert das?

 

Wiederangelegte Ausschüttungen eines Investmentfonds erhöhen den Anlagebetrag und damit den Zinserlös. So ergibt sich ein größerer Wertzuwachs des eingesetzten Kapitals im Vergleich zur regelmäßigen Entnahme der Erträge.
— Börse.de, 2019
 

Aja, vielen Dank, Internet. Übersetzen wir das Ganze doch in alltagstauglichen Jargon - am besten mit einem Beispiel.

 
 

Um die Demo einfach zu halten, werden alle folgenden Beispiele mit einem fiktiven Gewinn von 6% pro Jahr gerechnet. Dieser wird am Ende des Jahres abgerechnet - ohne Gebühren.

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Heute

Stell dir vor deine Erstanlage sind 10’000 CHF. Sozusagen deine initiale Anlagesumme.

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1 Jahr

Durch den fiktiven Marktwachstum von 6% verdienst du in diesem ersten Jahr 600 CHF. Somit hast du insgesamt 10’600 CHF.

Logisch, und jetzt?

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2 Jahre

Im zweiten Jahr bekommst du ebenfalls 6% dazu. Was dann 11’200 CHF sein sollten - oder?

👩🏻‍🔬 Fast. Ab diesem Jahr wird es nämlich zinseszinsmässig spannend. Durch den Zins auf die bereits bekommenen Zinsen verdienst du nochmal 36 CHF. Du bekommst die Zinsen nämlich auf den bereits verzinsten Betrag des Vorjahres: 6% auf 10’600 CHF = 636 CHF.

Nach dem zweiten Jahr stehst du also mit 11’236 CHF da.

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10 Jahre

10 Jahre gehen vorüber. Sollten die beispielhaften 6% genau so bleiben, würdest du 16’000 CHF verdient haben, stimmt’s?

Natürlich nicht, hier haben wir den Zinseszinseffekt ausser Acht gelassen - Zins auf Zins auf Zins bescheren dir 1’908 CHF mehr.

In 10 Jahren wirst du 17’908 CHF statt 16’000 CHF am Konto haben. Magie! 🔮

 
 

Zinseszins über die Zeit hinweg

Jetzt wo wir die Idee hinter dem Zinseszinseffekt verstanden haben, sehen wir uns an, was passiert, wenn man die Zeitspanne der Anlagen mit einrechnet. Unsere imaginären Freunde Nora und Harald werden uns dabei helfen.

 
 
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40 Jahre Geld anlegen

Nora beginnt damit für die Pensionierung zu sparen. Oder, wie sie es nennt: “für die Zukunft vorsorgen”. Denn wer denkt Mitte 20 schon an die Pensionierung? Top Skiläufer? Vielleicht, aber wir haben es bei Nora mit einer ganz normalsterblichen Schweizerin zu tun.


Über Nora

🎂 Alter 25 Jahre alt

Pensionierung in 40 Jahren, mit 65

🎢 Spart 200 CHF pro Monat


In unserer reibungslosen Beispielwelt bringt Nora ihr konsequentes Sparverhalten nach 40 Jahren 96’000 CHF. Nicht schlecht - aber was ist jetzt mit dem Zinseszins?

Gleiches Setup wie zuvor:

  • Ein fiktiver durchschnittlicher Gewinn von 6% pro Jahr

  • Keine Gebühren oder sonstige Kosten

  • Eine jährliche Abrechnung des Zinseszins

    … errechnet am Durchschnittswert des vorigen Jahres

👉 Anmerkung: Das ist nur ein Beispiel! Die echte Welt bringt oft alle möglichen Gebühren mit sich - genauso wie Risiko und zwischenzeitliche Auf und Abs der Märkte.
 
 

Hier findest du Noras Ersparnisse, dargestellt als… yay - Graph! Ich sehe mir solche Graphen ja immer gerne an. Aber, hä? Kann das wirklich sein? 🤓

Nehmen wir die Daten mal auseinander - nach vier Jahrzehnten an ununterbrochenen Einzahlungen auf das Anlagekonto, hat unsere brave Anlegerin ganze ~289’600 CHF allein durch Zinsen aufgebaut! Das ist dreimal so viel, wie sie mit normalen Einzahlungen auf das Bankkonto gespart hätte.

So klingt Zinseszins schon eindeutig sexier, oder? 😏

Insgesamt hat sie nun 382’600 CHF zu Start ihrer Pensionierung. 🔮👩🏻‍🔬

 
 
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30 Jahre Geld anlegen

Auftritt Harald. Unser zweiter imaginärer Freund hat lange versucht die Altersvorsorgewerbungen auf Facebook und Bankwebseiten auszublenden, die ihn mit Bildern von gutaussehenden Paaren im fortgeschrittenen Alter dazu bewegen wollen, doch endlich in seine Zukunft am Strand in Rügen zu investieren. Hach. 🙂

Bis er eines Tages sein Freelancer Leben sein lässt, eine feste Anstellung annimmt und mit den Bildern des Pensionierungssparplans im Kopf, seine Ersparnisse in Ordnung bringen möchte.


Über Harald

🎂 Alter 35 Jahre alt

Pensionierung in 30 Jahre, mit 65

🎢 Spart 200 CHF pro Monat


Der letzte Graph hat uns bereits gezeigt, was passiert, wenn man sein Geld über lange Zeit anlegt.

Harald spart insgesamt 72’000 CHF, die Zinseszinsrate kommt auf 123’400 CHF und insgesamt hat er damit 195’400 CHF zu Start der Pensionierung zur Hand. Nicht schlecht. 🔮👩🏻‍🔬

 
 

Früher vs. später?

 
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Nora und Harald werden beide für ihr konsequentes Sparverhalten und den langen Anlagehorizont belohnt. Den Unterschied, den die zehn Jahre aber machen, ist schon ziemlich beeindruckend! Noras ca. 400’000 CHF sind fast doppelt so viel wie Haralds Erspartes.

Und hier wird es ein wenig verrückt.

Der Teil lässt mich immer noch die Stirn runzeln und die Augen aufreissen und mit einem “Hä?” den Graph studieren. Der Zinseszinseffekt zeigt hier nämlich auf den ersten Blick magische Fähigkeiten!

Stell dir vor Nora würde nach 10 Jahren damit aufhören monatlich Geld zu sparen bzw. anzulegen. Wie verhält sich ihr Vermögen dann im Vergleich zu Haralds monatlichen Einzahlungen auf das Anlagekonto bis zur Pensionierung? Harald muss doch eigentlich mit mehr Geld aussteigen, oder?

 
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🧐 Spannenderweise nicht! Obwohl Nora bereits mit 35 Jahren wieder aufgehört hat monatlich mehr Geld auf ihr Anlagekonto zu überweisen, konnte Harald nicht aufholen.

Insgesamt hat Nora 24’000 CHF angelegt, Harald aber ganze 60’000 CHF. Der Anlagehorizont (in dem Fall 40 Jahre!) ist hier mehr oder weniger der Joker, der Nora vom Zinseszinseffekt derart profitieren lässt!

Extra Tipp für alle, die nach kurzer Zeit doch an der Existenz des Zinseszins zweifeln:

Der Trick liegt einfach doch im “Dranbleiben”. Nach 5 Jahren sieht es immer noch nicht nach so viel aus - stimmt’s?

Innerhalb dieser Zeitspanne sieht es so aus, als würden die Zinsen gar nicht arbeiten - weshalb ich den Effekt wirklich als einen Zaubertrick, der sich direkt unter unserer Nase versteckt, bezeichne. Er ist da, arbeitet vor sich hin, aber er zeigt sich erst ein paar Jahre später. Nach zehn oder zwanzig Jahren ist das Verhältnis zwischen dem ursprünglichen Betrag und den Jahr um Jahr verzinsten Gewinnen auf jeden Fall sichtbar.

 

Take-away

Das klingt jetzt alles ein wenig entmutigend für alle +Endzwanziger unter den Lesern. Aber um das Starten mit 25 Jahren geht es hier gar nicht. Es gibt viele Gründe, wieso viele von uns noch nicht früher angefangen haben ihr Geld anzulegen - wer hat seine finanziellen Pläne bis zur Pensionierung bitte auch schon mit Mitte 20 komplett im Griff? Das Leben (hallo Yogastunden und Backpackingreisen!), Familiensituationen und kreative Jobfindungsphasen sind viel zu einvernehmend. Ausserdem ist der Schritt wirklich anzufangen oft bei Online Investmentservices sowie Banken relativ komplex.

👉 Also: einfach anfangen lautet die Devise. Sei es an dem Geburtstag deines Hundes, dem 3. Mittwoch im Monat oder an dem Tag, an dem du einen ordentlichen Bonus ausbezahlt bekommst. Fang dann an, wann es am besten zu deinem Leben passt.

 

 

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